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Mb2ite – Mobile Benefits and Barriers in Teacher Education

Die Handlungskompetenz von Lehrkräften zeigt sich in vielen Facetten: Neben Organisations- und Interaktionswissen und der Fähigkeit, Schülerinnen zu beraten, kann „das Wissen über fachliche Inhalte und Instruktionsstrategien (...) als zentraler Aspekt der Kompetenz gesehen werden“ (Brunner et.al. 2006).

Shulman setzte 1986/87 den Startpunkt einer intensiven Diskussion über LehrerInnenwissen. Er postulierte dabei ein spezielles Wissen, welches die Lehrkraft von den WissenschaftlerInnen eines Faches unterscheidet: das pädagogische Inhaltswissen (= fachdidaktisches Wissen; kurz PCK für „pedagogical content knowledge“). Seinen äußeren Ausdruck findet PCK „in den didaktischen Mitteln der Lehrer (...), in der Art und Weise, wie sie den Stoff präsentieren und wie sie Schüleräußerungen und Schülervorkenntnisse im Unterricht berücksichtigen“ (Bromme 1995). Für Shulman (1991) umfasst PCK „die sinnvollsten Formen der Repräsentation“ für die in einem Fach unterrichtete Themen, die diese für andere verständlich machen. 

Interessant ist es nun, näher zu untersuchen, wie und wo Lehrkräfte ihr PCK erwerben. Damit könnte die LehrerInnenaus- und fortbildung versuchen, an jenen Faktoren anzusetzen, die neben qualitativ besseren Unterricht auch gesteigerte Lernerfolge der Schülerinnen versprechen (Strunz-Maireder 2009). 

Hierbei könnten die sieben Komponenten von TPACK entscheidend sein (Koehler, Mishra & Cain, 2013). TPACK baut auf den Kerngedanken von Shulman (PCK) durch die Einbeziehung der Technologie auf. Die Digitalisierung durchdringt immer stärker die Gesellschaft, kaum noch ein Haushalt ist ohne PC, Tablet oder Smartphone. Auch die Arbeitswelt wird immer stärker durch die Digitalisierung verändert, man spricht von der 4. Industriellen Revolution. Digitale Medien sind demnach ein gravierender Bestandteil unseres Lebens geworden, denen man sich kaum entziehen kann. Technological Pedagogical Content Knowledge (TPACK) ist ein Ordnungsrahmen, innerhalb dessen die Arten des Wissens von Lehrkräften verstanden und beschrieben werden können, das diese benötigen, um eine durch Technologien verbesserte Lernumgebung für SchülerInnen und Studierende zu schaffen. Koehler, Mishra & Cain (2013) verweisen darauf, dass eine effektive Integration von Technologie in den Unterricht spezifisches Wissen zu den jeweiligen Unterrichtsinhalten erfordert. Dabei kommt es zum Aufeinandertreffen der Technologie, der Pädagogik und der konkreten Fachinhalte. Eine Lehrkraft muss in der Lage sein, diese Beziehungen in Einklang zu bringen. Sie benötigt nicht nur das entsprechende Fachwissen, sondern sie muss auch ein Technologieexperte, ein Experte in der Lehre und als Pädagoge zusätzlich ein erfahrener Erzieher sein. Das TPACK-Framework hebt die komplexen Zusammenhänge zwischen konkreten Inhalten, Pädagogik und Technik hervor und definiert eine nützliche Organisationsstruktur, was Lehrkräfte wissen müssen, um Technologie effektiv zu integrieren (Archambault & Crippen, 2009:71-88). 

An dieser Stelle knüpft das Forschungsvorhaben M2Bite (sprich: Mega Byte) an die oben beschriebene Forschung an.

Mb2ite skizziert mein Dissertationsprojekt mit der Thematik Digitale Werkzeuge als Hilfsmittel zur Bearbeitung von Fachinhalten im Biologieunterricht. Das Ziel des Projekts ist es, das digitale Werkzeug „App“ auf mobilen Endgeräten im Vergleich zu klassischen Methoden der Erarbeitung zu untersuchen und hinsichtlich des Lernerfolges bzw. der Motivation einzuordnen und den Einfluss des jeweiligen Mediums zu untersuchen.

Das Thema „digitale Medien“ bietet für mich ein besonders interessantes Forschungsfeld für die Didaktik an, da digitale Werkzeuge in Form von Smartphones, Tablets und Laptops zunehmend im Alltag unserer Gesellschaft und somit auch im Alltag der Schülerinnen und Schüler eine wichtige Rolle spielen (Kuhn, Ropohl & Groß, 2017). Der Einsatz digitaler Medien kann somit didaktisch durch Alltags- und Lebensweltbezug begründet werden (ebd.). Betrachtet man die ICIL-Studie aus dem Jahr 2014, so rangiert Deutschland beim Einsatz von Computern und digitalen Medien im Unterricht auf den hintersten Plätzen (Kommission, 2014). Pfeiffer und Weng (2016) weisen darauf hin, dass Lernen dann von großer Effizienz geprägt sei, wenn die Lernenden in der Lage seien, das Thema, mit dem sie sich auseinandersetzen, verständlich an Adressaten zu vermitteln. In meiner Konzeption des Projekts möchte ich von diesen Erkenntnissen profitieren, indem die Lernenden unter anderem mithilfe eines digitalen Werkzeugs selbstständig Aufgaben zu einem Themenfeld erstellen und bearbeiten müssen.


Im Vergleich zu klassischen Medien, mit denen im Biologieunterricht oft gearbeitet wird, stellt das digitale Medium „App“ eine besondere Möglichkeit dar, den Unterricht aktiver zu gestalten und verschiedene Standorte mit einzubeziehen. Ein Aspekt, der mich für dieses Projekt motiviert hat ist die Erkenntnis, dass Lernphasen meiner Ausbildungszeit, die mit digitalen Medien unterstützt wurden, subjektiv interessanter waren. Ich erhoffe mir durch die Einbindung des Alltagsgegenstands Smartphone eine erhöhte (intrinsiche) Motivation der Studierenden und dass sie als Resultat einen höheren Lernerfolg erzielen. Im Zuge der eigenen Professionalisierung, ist meine Motivation, eigene wissenschaftliche Erfahrung im Einsatz verschiedener Medien zu sammeln. Des Weiteren möchte ich meine Professionalität bezüglich eines kompetenzorientierten Unterrichts stärken, da in diesem Unterricht laut Suwelack (2010) ein höheres Ziel als der bloße Wissenserwerb verfolgt werde. Das Wissen werde durch Handeln qualitativ hochwertiger (ebd.). In der geplanten Intervention sollen die Lernenden selbstgesteuert unter Anleitung Aufgaben mit einem digitalen Werkzeug entwickeln und testen.


Im Rahmen des Forschungsprojekts wird folgender Forschungsfrage nachgegangen:

Inwiefern beeinflusst der Einsatz eines digitalen Werkzeugs - in Form der App BIPARCOURS - zur Bearbeitung und Sicherung eines botanischen Themas den Lernerfolg und die Motivation im Fach Biologie im Vergleich zu klassischen Bearbeitungsformen?

Hierzu werden folgende gerichtete Unterschiedshypothesen quantitativ überprüft, wobei die erste eine Implikation der folgenden Hypothese darstellt.

 

H0:Wenn Studierende digitale Werkzeuge verwenden, dann weisen sie keine höhere Motivation auf als bei der Verwendung von klassischen Medien.
H1:Wenn Studierende digitale Werkzeuge verwenden, dann weisen sie eine höhere Motivation auf als bei der Verwendung klassischer Medien.
H0:Wenn Studierende das digitale Werkzeug App zu einem botanischen Thema nutzen, dann ist der Einfluss auf den Lernerfolg nicht größer als durch klassische Medien.
H1:Wenn Studierende das digitale Werkzeug App zu einem botanischen Thema nutzen, dann ist der Einfluss auf den Lernerfolg größer als durch klassische Medien.