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Klimawandel und grüne Fassaden

Der Klimawandel bewirkt und beschleunigt in ländlichen und urbanen unterschiedliche Effekte. So heizen sich Städte noch stärker auf als die sie umgebenden ländlichen Regionen. Dieser Sachverhalt ist auch unter dem Begriff des „Hitze-Insel Effekts“ bekannt; er ist im Alltag spürbar: fährt man mit dem Fahrrad aus dem grünen Umland in die Stadt, so stellt man an Sommertagen oft eine deutliche Temperaturerhöhung fest.

Mit fortschreitendem Klimawandel wird der Hitze-Insel-Effekt zunehmen und zu einem erhöhten Risiko für die Stadtbewohner werden. Dabei sind besonders die Gruppe der „60-Plus“-altrigen Personen betroffen. Verschiedene Studien zeigen eine ausgeprägte Korrelation zwischen hohen Temperaturen in Städten und Erkrankungen. Wie Buchin et al. ( 2015) zeigen, verdoppeln sich statistisch betrachtet in Berlin in der Gruppe der „65+“ durch Hitze bedingte Todesfälle pro 1 °C Steigerung der Umgebungstemperatur. (die gute Nachricht dieser Studie lautet, dass jede 0,8 °C-Minderung der Umgebungstemperatur mit einer 50 %-igen Minderung von Krankheiten einhergeht.)

Der Zusammenhang zwischen dem globalen CO2-Gehalt der Atmosphäre und den damit korrelierenden Temperaturen ist inzwischen weithin bekannt (IPCC); in diesem Zusammenhang besonders die „repräsentativen  Konzentrationspfade“ („RCP“), die in Abhängigkeit zukünftiger maximaler CO2-Werte der Atmosphäre Strahlungs/Temperaturprofile vorhersagen. Die geringsten Treibhausgas-Konzentrationen (derzeitger Stand) korrelieren mit einer Strahlungseinwirkung von 2,6 W/m2..

Im März des Jahres 2016  ist der monatlich weltweite Durchschnittswert der atmosphärischen CO2-Koonzentration in Höhe von 400 ppm zum ersten Mal überschritten worden (NOAA - National Oceanic and Atmospheric Administration)

Abbildung 1 zeigt eine Modellberechnung der Durchschnittstemperaturen in Köln für den Sommer (im August 2100) aktueller und zukünftiger Wohngebiete der Stadt Köln. Von einer Erhöhung der Temperaturen ist auszugehen bzw. wird nach derzeitigem Trend mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten. 

Es stellt sich deshalb die Frage, wie dieser Entwicklung in den Städten nachhaltig entgegengewirkt werden kann. Eine naturnahe und nachhaltige Lösung hierzu stellt die Begrünung von Fassaden mit natürlichem Pflanzenbewuchs dar. In der vorliegenden Studie gehen wir der Frage nach welche positiven Effekte durch Efeubewuchs potentiell herbeigeführt werden können. Dazu wurden zunächst die Effekte auf die Luftfeuchtigkeit, die Temperatur, sowie die Absorption/Senkung des Gehalts des Klimagases CO2 gemessen. In Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Jülich (Herrn Dr. Franz Rohrer) wurden auch die Effekte auf die Feinstaub-Adsorption als auch auf die Absorption von Stickoxiden (NOx) ermittelt. Zu allen untersuchten Parametern konnten positive Wirkungen durch Efeu gezeigt werden. Die Untersuchungen wurden wesentlich im Rahmen der Masterarbeit des IMES Studierenden Minka Aduse-Poku durchgeführt. Sie werden demnächst veröffentlicht.

Untersuchungsort/Messungen

Zur Untersuchung der Auswirkungen des Efeubewuchses auf die Temperatur und auf die Luftfeuchte im Bereich der Hauswände wurden zwei benachbarte Villen in der Poppelsdorfer Allee in Bonn ausgewählt. (siehe Abbildung 2) Dabei handelt es sich um Nachkriegs-Gebäude, von denen eines bereits seit 3 Jahrzehnten eine kultivierte Efeu-Fassade (EF) aufweist, während das andere eine weiß gestrichene, freie Fassade (FF) besitzt (Abb. 2); Für die Messungen wurden sogenannte Öffnet externen Link in neuem Fensteri-buttons verwendet (; siehe Abbildung 3), die im Sommer 2015 an speziellen (freien und bewachsenen) Fassadenbereichen für einen Zeitraum von mehreren Wochen platziert wurden. Die CO2 Konzentrationen wurden in speziellen Kammern mit CO2 Sonden ermittelt (Abb.4). Für die Ermittlung der CO2 Absorption wurden Efeu-Pflanzen in speziellen Messkammern inkubiert, die mit Sonden für die Erfassung von CO2, (Pasco, Carbon Dioxide PS-2110, resolution: 1 ppm) Temperatur (i-button), Lichtintensität ausgestattet waren (Abb. 3).

Referenzen